Sexuelle Vorlieben herausfinden klingt nach einem ehrlichen Abend zu zweit, einer Flasche Wein und etwas Mut. So läuft es selten. Die Frage kommt zu breit: “Was magst du eigentlich?” Die Antwort kommt zu nett: “Alles, was dir gefällt.” Danach ist das Thema für ein halbes Jahr wieder weg.
Erst du allein, dann ihr zu zweit
In diesem Thema stecken zwei Baustellen mit unterschiedlichem Werkzeug: die eigenen Vorlieben und die des anderen. Der Austausch bleibt einseitig, solange du zur ersten nichts beitragen kannst - wer die eigenen Vorlieben nur ungefähr kennt, kann sie auch schlecht beschreiben. Fang deshalb bei dir an. Das ist der Teil, für den du niemanden um Erlaubnis fragen musst.
Warum “frag doch einfach” so selten trägt
Ihr liegt abends nebeneinander, das Licht ist längst aus, und einer sagt: “Gibt es was, das du gern mal ausprobieren würdest?” Danach kommt eine Pause, dann: “Weiß nicht, so wie es ist, ist es doch schön.” Die Frage verteilt die Last ungleich. Wer als Erster antwortet, legt etwas Heikles offen und sieht dem anderen dabei direkt ins Gesicht. Wer sich unsicher fühlt, sagt in dieser Lage lieber nichts oder eben das, wovon er glaubt, dass es gut ankommt.
Der Selbsttest: eine Liste lesen und auf dich achten
Nimm dir eine Checkliste vor, unser Glossar taugt als Anfang. Beim Durchgehen merkst du schnell, wo das Ja sitzt und wo das Nein. Bleib bei den Zeilen hängen, die ein “hm” auslösen und die du zügig überliest - da steckt am ehesten etwas. Zweiter Zugang sind Erinnerungen: An welchen Abend denkst du noch, und was genau war es daran - das Tempo, das Zusehen, das Gefühl, dass jemand die Führung hatte? Danach hast du Namen für ein paar Sachen, die du vorher nur umschreiben konntest.
Sexuelle Vorlieben herausfinden, ohne vorzulegen
Bei unserem Quiz für Paare klickst du dich durch die Liste, dein Schatz tut dasselbe, jede:r auf dem eigenen Gerät. Wie weit die Fragen gehen dürfen, stellst du vorher über einen Regler ein; das gilt nur für deinen Durchgang. Zusammengelegt werden die beiden Runden erst, wenn ihr beide fertig seid. Übrig bleibt, wo ein Ja auf ein Ja oder auf ein “Wenn du möchtest” trifft. Dein einseitiges Ja bleibt bei dir.
Ihr braucht dafür kein Konto und keine E-Mail-Adresse, zahlen müsst ihr auch nichts. Was ihr angeklickt habt, ist nach spätestens 30 Tagen weg, ohne dass jemand etwas tun muss.
Wenn die Vorlieben auseinandergehen
Kein Paar deckt sich vollständig. Kurze Trefferlisten kommen vor und heißen meistens nur, dass eure Neugier an unterschiedlichen Stellen sitzt.
Bevor ihr einen Wunsch abhakt, schaut nach, was darunter liegt. Reizt dich das Gefesseltwerden selbst oder das Gefühl, für eine halbe Stunde nichts entscheiden zu müssen? Für das Zweite gibt es ein Dutzend Varianten, und die sanfteste davon ist eine Augenbinde.
Und für den Fall, dass dich etwas nicht selbst reizt, gibt es die mittlere Antwort: Etwas mitzumachen, weil man den anderen gern dabei sieht, ist völlig in Ordnung, solange es freiwillig bleibt und nicht stillschweigend zur Erwartung wird.
Manches bleibt eben draußen. Damit lässt sich leben, sobald es einmal ausgesprochen ist. Geht es dagegen um etwas Zentrales, das seit Jahren fehlt, wird daraus ein längeres Gespräch - Anhaltspunkte dafür stehen in Unterschiedliche Lust und Libido und in Zurückweisung beim Sex.
Vom Treffer zum Abend
Habt ihr eine gemeinsame Liste, ist das Ansprechen fast schon erledigt. “Bei einem Punkt haben wir uns getroffen. Lust, das am Samstag auszuprobieren?” Mehr braucht es nicht.
Angekreuzt heißt neugierig. Ob es am Samstag dann passt, entscheidet ihr am Samstag; sagt einer ab, wandert der Punkt zurück auf die Liste und darf da liegen bleiben. Für alles, was etwas weiter geht, vereinbart vorher ein Stoppwort (Safeword & Konsens). Und während es läuft, hilft ein “langsamer” oder “genau so” mehr als jedes Schweigen. Wem das schwerfällt, findet in Über Sex reden ein paar Formulierungen zum Abschauen.
Vorlieben bleiben nicht, wie sie sind
Was du heute ankreuzt, gilt für heute. Mit einem Baby im Haus oder nach einer langen erschöpften Phase verschiebt sich, was reizt und was gerade zu viel ist. Macht den Durchgang in ein paar Monaten noch einmal. Eure alten Antworten sind bis dahin ohnehin gelöscht, ihr fangt also unbefangen an - und was diesmal anders ausfällt, ist euer Gesprächsstoff.