Wind auf nackter Haut, das Rascheln ringsum, dazu der Hauch des Verbotenen. Sex im Freien steht auf vielen heimlichen Wunschlisten weit oben. Gleichzeitig hält die Unsicherheit einige Paare zurück. Was, wenn jemand kommt? Und macht man sich damit strafbar? Beides lässt sich klären, und bei der Rechtslage könnt ihr aufatmen.
Warum es draußen so reizt
Raus aus dem Schlafzimmer heißt raus aus der Routine. Draußen fühlt sich vieles ungewohnt an, schon der Untergrund oder die kühle Luft auf sonst bedeckter Haut. Ihr nehmt schlicht mehr wahr, weil nichts davon vertraut ist. Dazu kommt der Nervenkitzel eines kleinen Restrisikos. Der Puls steigt, bevor überhaupt etwas passiert. Ihr müsst dafür übrigens nichts Wildes planen. Schon Küssen an einem dunklen Strand trägt etwas davon in sich.
Sex draußen erlaubt? Die Rechtslage in Alltagssprache
Vorweg: Wir sind keine Anwälte, das hier ist eine Einordnung in Alltagssprache. Für eine Strafe reicht in Deutschland der Akt unter freiem Himmel allein nicht aus. Das Strafgesetzbuch kennt zwar den Tatbestand der Erregung öffentlichen Ärgernisses. Der greift aber erst, wenn ihr öffentlich sexuell aktiv seid und es dabei darauf anlegt oder sicher wisst, dass andere zusehen und sich gestört fühlen. Es braucht also tatsächlich jemanden, der euch ungewollt beobachtet und das als Belästigung empfindet. Ein Paar, das sich in der Abgeschiedenheit liebt und alles tut, um unentdeckt zu bleiben, erfüllt genau das gerade nicht. Kommt es doch zu einer peinlichen Begegnung, ist ein Strafverfahren die Ausnahme. Wahrscheinlicher wäre eine Ordnungswidrigkeit wegen Belästigung der Allgemeinheit, sprich ein Bußgeld.
Exhibitionismus und Hausrecht
Vom heimlichen Liebespaar zu unterscheiden ist der Exhibitionist, der sich gezielt vor fremden Menschen entblößt, um sie damit zu konfrontieren. Dafür gibt es einen eigenen Straftatbestand. Mit eurem Abend am See hat der nichts zu tun. Das Hausrecht dagegen kommt Paaren tatsächlich in die Quere. Parkhäuser oder Strandbäder gehören jemandem, dort entscheidet der Betreiber. Er kann euch rauswerfen und ein Hausverbot aussprechen. Wer danach trotzdem wiederkommt, riskiert eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
Orte mit echter Privatsphäre
Sucht zuerst nach Orten, an denen die Frage nach Zeugen gar nicht erst aufkommt. Der eigene Garten, wenn er nicht einsehbar ist. Ein Balkon mit Sichtschutz in einer lauen Nacht. Auch das Zelt beim Camping zählt dazu, sobald der Platz zur Ruhe gekommen ist, wobei dünne Wände jedes Geräusch durchlassen. In der freien Natur zählt der Zeitpunkt mindestens so viel wie der Ort: Die Lichtung, an der sonntagnachmittags die Wanderer vorbeiziehen, gehört dienstags um sechs Uhr früh euch allein. Meidet Badeseen und Parks zu Stoßzeiten und geht ein Stück weiter, als es der erste schöne Fleck nahelegt.
Praktisch gedacht: von der Decke bis zum Plan B
Der Waldboden ist härter und feuchter, als er aussieht. Eine Decke gehört deshalb ins Gepäck, dazu Feuchttücher fürs Saubermachen hinterher und Verhütung wie sonst auch. Zieht euch so wenig wie möglich aus. Ein Rock oder eine Jogginghose ist in Sekunden gerichtet, und das passt zur Sache. Draußen zelebriert kaum jemand stundenlang, meist läuft es auf einen Quickie hinaus. Haltet außerdem einen Plan B bereit, falls euer Fleck belegt ist.
Zecken haben kein Gespür für Stimmung. Nach dem Ausflug ins hohe Gras sucht euch also gegenseitig ab. Und Haut, die sonst nie Sonne sieht, verbrennt erstaunlich schnell.
Rücksicht auf die, die niemand gefragt hat
Der Kick kommt vom Gefühl des Verbotenen, nicht davon, gesehen zu werden. Der Konsens-Gedanke reicht über euch beide hinaus. Die Person, die da zufällig vorbeikommt, hat niemand gefragt. Erst recht gilt das an Orten, an denen Kinder unterwegs sein können. Hört ihr Stimmen, brecht ihr ab und richtet euch her. Der Wald läuft nicht weg.
Häufige Fragen
Ist Sex im Freien in Deutschland strafbar?
Nicht automatisch. Strafbar wird es grob gesagt erst, wenn ihr es darauf anlegt oder sicher wisst, dass andere euch sehen und sich daran stören. Bei einer Entdeckung ist eher ein Bußgeld wegen Belästigung der Allgemeinheit realistisch. Wer Ort und Zeitpunkt so wählt, dass niemand ungewollt zusieht, ist praktisch auf der sicheren Seite.Ist Sex auf dem eigenen Balkon oder im Garten erlaubt?
Auf dem eigenen Grundstück grundsätzlich ja. Heikel wird es, wenn Nachbarn oder Passanten zwangsläufig zusehen müssen, denn dann kann aus der lauen Sommernacht Ärger mit dem Ordnungsamt werden. Ein Sichtschutz oder eine nicht einsehbare Ecke löst das Problem.Was sollte man für Sex im Freien dabeihaben?
Eine Decke gegen harten oder feuchten Boden, Feuchttücher fürs Saubermachen und Verhütung wie sonst auch. Dazu Kleidung, die weitgehend anbleiben kann, damit ihr im Zweifel schnell wieder vorzeigbar seid.Von Melli & Max - wir sind ein echtes Paar und schreiben hier, was uns selbst weitergeholfen hat.