Ein Herz, umringt von fünf kleinen Symbolen für die fünf Liebessprachen: Sprechblase, Uhr, Geschenk, haltende Hand und Berührungspunkt
„Ich sage dir doch ständig, wie gern ich dich habe.“ - „Dann nimm mich doch einfach mal in den Arm.“ Zwei Menschen meinen dasselbe und erreichen einander trotzdem nicht.

Für dieses Missverständnis hat der US-Paarberater Gary Chapman ein Bild gefunden: die fünf Liebessprachen. In seiner Beratungspraxis fiel ihm auf, dass Menschen Zuneigung in sehr verschiedenen Formen ausdrücken. Und dass sie am ehesten die Form hören, die sie selbst sprechen. Welche deine ist, verrät dir schon ein wenig Selbstbeobachtung; die drei Fragen dafür findest du weiter unten.

Woher die fünf Liebessprachen kommen

Gary Chapman ist Paarberater und Seelsorger; sein Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ erschien im Original 1992 und wurde ein Dauerbrenner. Jeder Mensch, so seine Beobachtung, hat eine Art, Zuneigung auszudrücken, in der er sich zu Hause fühlt - wie in einer Muttersprache. Was das Gegenüber spricht, kann sich dagegen wie eine Fremdsprache anfühlen. Du verstehst jedes Wort, und es kommt doch nicht an.

Die fünf Liebessprachen im Alltag

So sehen die fünf Arten im Paarleben aus:

  • Anerkennende Worte. Ein ehrliches „Das hast du großartig gemacht“, ein Danke für etwas, das auch stillschweigend hätte passieren können. Wer diese Sprache spricht, liest liebe Nachrichten dreimal.
  • Zweisamkeit heißt ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Spaziergang ohne Handy zählt, der Fernsehabend, an dem beide aufs eigene Handy schauen, kaum.
  • Geschenke. Klein darf es sein - die Lieblingsschokolade von der Supermarktkasse, weil dir dein Mensch zwischendurch eingefallen ist.
  • Hilfsbereitschaft klingt zunächst unromantisch. Der abgetaute Gefrierschrank, das vollgetankte Auto vor der langen Fahrt - für Menschen mit dieser Sprache sind das Liebeserklärungen.
  • Berührung. Die Hand im Nacken beim Vorbeigehen und das lange Kuscheln auf dem Sofa; Sex gehört dazu, ist aber nur ein Teil davon. Ohne Körperkontakt fühlt sich für diese Menschen selbst ein harmonischer Tag unvollständig an.

Die meisten dieser Gesten kosten kaum eine Minute - wie sie zwischen Frühstück und Feierabend Platz finden, zeigt Intimität im Alltag.

Welche Liebessprache habe ich? Drei Fragen statt Test

Im Netz kursieren etliche Liebessprachen-Tests, und du kannst gern einen machen. Ehrlichere Antworten liefern drei Beobachtungsfragen. Hör dir zu, wenn du dich beschwerst. „Wir unternehmen nie etwas zu zweit“ zeigt auf Zweisamkeit, „du fasst mich kaum noch an“ auf Berührung; deine Klagen treffen ziemlich genau die Stelle, an der dir etwas fehlt. Dasselbe gilt für das, worum du am häufigsten bittest. Und dann schau, wie du selbst Liebe zeigst: Viele Menschen verschenken Zuneigung genau in der Form, in der sie sie am liebsten bekommen.

Die Liebessprache deines Partners oder deiner Partnerin erkennen

Dreh dieselben Fragen einfach um. Worüber beschwert sich dein Schatz, was tut er ungefragt für dich, und wofür gibt es leuchtende Augen? Wenn du unsicher bleibst, frag direkt - „Woran merkst du am deutlichsten, dass ich dich liebe?“ ist ein schöner Einstieg für einen ruhigen Abend. Wenn ihr Gefallen an solchen Fragen findet, liegen mit den erotischen Fragen für Paare gleich 18 weitere bereit.

„Du begehrst mich nicht mehr“ - wenn Berührung auf Worte trifft

Nirgends reiben sich unterschiedliche Liebessprachen so schmerzhaft wie rund um die Berührung. Eine Person braucht Körperkontakt, um sich geliebt zu fühlen, und bekommt stattdessen Komplimente, gefaltete Wäsche und ein durchgeplantes Wochenende. Alles liebevoll gemeint. Angekommen ist davon wenig, und irgendwann fällt der Satz, der wehtut: „Du begehrst mich nicht mehr.“ Dabei fehlt es in diesem Moment selten an Liebe - es fehlt an Übersetzung. Steckt hinter dem Satz doch ein echter Unterschied im Verlangen, hilft der Blick auf unterschiedliche Lust.

Auch die Gegenrichtung kennt diesen Schmerz. Wer anerkennende Worte braucht und auf jedes schwere Gespräch eine Umarmung mit eindeutigen Absichten bekommt, fühlt sich abgespeist. Über so einen Unterschied zu sprechen ist übrigens dieselbe Übung wie das Reden über Wünsche im Bett - du beschreibst, was bei dir ankommt und wovon du dir mehr wünschst, ohne daraus einen Vorwurf zu bauen. Wie das gelingt, zeigt Sexuelle Wünsche aussprechen.

Wie belastbar Chapmans Modell ist

Chapmans Modell entstand in der Beratungspraxis, und ein wissenschaftlich bestätigtes Konstrukt ist daraus nie geworden. Neuere Studien zweifeln vor allem an der einen festen Primärsprache und legen nahe, dass alle fünf Formen zur Zufriedenheit beitragen - eher wie Nährstoffe in einer ausgewogenen Ernährung als wie eine Muttersprache, die man hat oder eben nicht. Für euren Alltag ändert das wenig. Die fünf Begriffe taugen als gemeinsames Vokabular für ein Gefühl, das vorher keinen Namen hatte. Als Etikett solltet ihr sie einander aber nicht aufkleben. Wer sich anhören muss „du bist halt der Geschenke-Typ“, hat auf den Rest des Gesprächs wenig Lust.

Beantwortet getrennt, worauf ihr Lust habt - am Ende seht ihr nur die Wünsche, in denen ihr euch beide wiederfindet.
Eure gemeinsame Sprache finden

Von Melli & Max - wir sind ein echtes Paar und schreiben hier, was uns selbst weitergeholfen hat.