Vier Mondphasen im Kreis, in der Mitte ein Herz
Die übliche Erzählung ist kurz: Hormone runter, Lust weg, Kapitel zu. Nur erleben das viele Menschen ganz anders, und zwar in beide Richtungen.

Über Wechseljahre und Lust wird viel geraunt. Bei den einen wird das Verlangen leiser, bei den anderen lauter, und manche erleben beides innerhalb eines Monats. Gemeinsam ist ihnen vor allem eine Frage. Bleibt das jetzt so?

„Keine Lust auf irgendwas“ - da geht es nicht um Sex

Ein großer Teil dessen, was in dieser Lebensphase als Lustlosigkeit beschrieben wird, hat mit dem Bett nichts zu tun. Keine Lust auf Menschen. Keine Lust auf Arbeit, keine auf Sport. Das ist keine Sexflaute, das ist Erschöpfung.

Schlaf, den nächtliche Hitzewellen zerhacken, dazu eine Stimmung, die ohne Vorwarnung kippt. Ratschläge fürs Schlafzimmer laufen da ins Leere. Erst muss der Schlaf zurück, und jemand muss dir Arbeit abnehmen. Und einmal ärztlich draufschauen lassen.

Wenn das Verlangen größer wird

Die andere Richtung steht seltener in den Ratgebern. Erlebt wird sie trotzdem, und gefragt wird danach auch. Manche erleben in dieser Zeit gesteigerte Lust, direkter und ungeduldiger als vorher. Die Gründe liegen auf der Hand. Kein Zyklus redet mehr rein, das Haus ist leerer, und die Rücksicht auf fremde Meinungen schrumpft mit jedem Jahr. Peinlich ist daran nichts.

Die Verhütung fällt dabei erst weg, wenn die Wechseljahre wirklich durch sind. Bis dahin ist eine Schwangerschaft möglich, auch wenn die Periode längst unregelmäßig kommt.

Wenn die Person an deiner Seite gerade woanders steht, wird daraus allerdings ein Thema zwischen euch - dazu passt Unterschiedliche Lust.

Erst Lust, dann wieder nicht

Die Hormonlage macht in dieser Phase Sprünge. Mal hoch, mal runter, ohne Ansage. Für Paare ist das verwirrend. Kaum habt ihr euch auf wenig eingestellt, ist plötzlich wieder viel da. Sagt es euch einfach, wenn ihr es merkt. Ein „Diese Woche fühlt sich alles anders an“ erspart eine Menge Rätselraten.

Hormone und Behandlung gehören abgeklärt

Ob eine Hormontherapie oder ein örtlich wirkendes Präparat für dich infrage kommt, hängt an deiner Vorgeschichte und an deinen Beschwerden. Diese Abwägung kann dir niemand im Internet abnehmen, auch wir nicht.

Ein Termin lohnt sich, wenn Sex weh tut und das nicht wieder weggeht, wenn Blutungen außer der Reihe kommen, erst recht nachdem die Periode schon ein Jahr weg war, oder wenn Erschöpfung und gedrückte Stimmung sich über Wochen halten. Alles, was plötzlich kam, gehört ebenfalls angeschaut. Dahinter kann eine behandelbare Ursache stecken.

Was praktisch etwas bringt

Über Trockenheit redet kaum jemand. Dabei lässt sich beim Sex schnell etwas dagegen tun. Gleitgel, großzügig, gern wasserbasiert und ohne wärmende Zusätze, die gereizte Schleimhaut zusätzlich ärgern. Welche Sorte wozu passt, steht im Gleitgel-Guide. Reicht Gleitgel nicht aus, ist das ein Thema für die Sprechstunde.

Dazu kommt Zeit. Erregung braucht oft länger als früher, und der schnelle Ablauf von damals passt dann nicht mehr. Manchen hilft ein deutlicherer Reiz, etwa Vibration statt Hand. Und wenn etwas weh tut, hört ihr auf. Sofort.

Wechseljahre und Lust: kommt sie wieder?

Ein Versprechen gibt es nicht. Wer dir eines gibt, will dir etwas verkaufen. Bekannt ist immerhin so viel. Viele beschreiben, dass sich die Achterbahn nach der Umstellung beruhigt und das Verlangen wieder verlässlicher wird, in anderer Form als mit dreißig. Und Lust hängt an mehr als an Hormonwerten, auch an Schlaf und an der Stimmung zwischen euch. An diesen Schrauben lässt sich drehen, während der Körper seine Umstellung macht. Das zieht sich, und irgendwann ist wieder Ruhe im Haus.

Darüber reden, bevor es jemand falsch deutet

Die Person an deiner Seite merkt, dass etwas anders ist, und füllt die Lücke selbst. Meist mit der schlechtesten Erklärung, die zur Hand ist. „Ich bin nicht mehr attraktiv.“ „Es liegt an mir.“ Dagegen hilft ein Satz von dir. „Das hat nichts mit dir zu tun, mein Körper stellt gerade alles um.“ Wer sich dabei im eigenen Körper fremd vorkommt, findet in Körperbild und Selbstvertrauen ein paar Wege, sich darin neu einzurichten.

Häufige Fragen

Kommt die Lust nach den Wechseljahren wieder?

Ein Versprechen dafür gibt es nicht, und wer eines gibt, will etwas verkaufen. Viele berichten allerdings, dass sich die Achterbahn nach der Umstellung beruhigt und das Verlangen wieder verlässlicher wird, oft in anderer Form als früher. Lust hängt ohnehin an mehr als an Hormonwerten, etwa an Schlaf, an Schmerzfreiheit und an dem, was zwischen euch gerade los ist.

Warum habe ich in den Wechseljahren auf gar nichts mehr Lust?

Wenn nicht nur die Lust auf Sex fehlt, sondern auch die auf Menschen, Arbeit oder Sport, steckt meist Erschöpfung dahinter. Zerhackter Schlaf durch nächtliche Hitzewellen zieht alles nach unten, eine gedrückte Stimmung ebenso. Dafür hilft ein ärztliches Gespräch mehr als jeder Tipp fürs Schlafzimmer.

Kann die Lust in den Wechseljahren auch stärker werden?

Ja, und das ist keine Ausnahme. Der Zyklus redet nicht mehr rein, das Haus wird leerer und die Rücksicht auf fremde Meinungen kleiner. Gesteigertes Verlangen ist in dieser Phase genauso normal wie nachlassendes. Nur bei der Verhütung ist Vorsicht geboten, denn solange die Wechseljahre nicht durch sind, ist eine Schwangerschaft möglich.
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Neu herausfinden, worauf ihr Lust habt

Von Melli & Max - wir sind ein echtes Paar und schreiben hier, was uns selbst weitergeholfen hat.